
BEGRIFFSERKLÄRUNG
Was sind chronische Schmerzen?
Von chronischen Schmerzen spricht man, wenn sie länger als drei bis sechs Monate andauern. Es gibt zahlreiche verschiedene Ursachen für chronische Schmerzerkrankungen. Die häufigsten Formen sind
· Rückenschmerzen (z.B. Bandscheibenvorfall)
· Kopfschmerzen (z.B. Migräne, Spannungskopfschmerzen)
· Rheumatische Schmerzen (z.B. Arthritis)
· Neuropathische Schmerzen (Nervenschmerzen)
· Fibromyalgie (Weichteilbeschwerden)
· Degenerative Schmerzen (Arthrose, Osteoporose)
· Tumorschmerzen
· Phantomschmerzen (unter anderem nach Amputationen)
EINFLÜSSE
Was beeinflusst mein Schmerzempfinden?
Ich spreche hier bewusst nicht von Schmerz, sondern von Schmerzempfinden:
Wenn keine weiteren diagnostischen Massnahmen dazu geführt haben, einen therapierbaren Auslöser des Schmerzes zu finden, kann man lediglich das Empfinden des Schmerzes beeinflussen.
Die Einflüsse auf das Schmerzempfinden hängen vom zugrundeliegenden Problem ab und sind von Person zu Person unterschiedlich.
Aus diesem Grund ist es nicht leicht, die richtigen Massnahmen zu finden. Deshalb erlaube ich mir, hier ein besonders breites Spektrum an Angeboten zu erläutern. Ziel ist es nicht, all diese Ideen umzusetzen sondern die richtigen für sich selbst zu finden.
Selbstbeobachtung ist der Schlüssel um herauszufinden, welche Alltagsphänomene einen Einfluss auf das eigene Schmerzempfinden haben.
Was für alle gilt:
· Das Empfinden von Schmerz kann durch unsere Gedanken beeinflusst werden.
· Die Befreiung vom Schmerz ist zwar nicht möglich, doch unser Gehirn ist dazu in der Lage, seinen Fokus auf anderes zu lenken und damit kurzfristig Schmerz auszublenden.
· Ganz banale Dinge wie Düfte, Farben oder andere Inputs können dies bereits positiv unterstützen.
· Richtig eingesetzt kann ein bewusstes Regulieren der Schmerzempfindung das Hinauszögern von Schmerzspitzen bewirken.
Besonders während Schmerzspitzen (Durchburchsschmerz) kann man in Panik verfallen. Gerade diese Panik verstärkt das Schmerzempfinden. Es ist also wichtig, Ruhe zu bewahren und Techniken zu kennen, mit denen man den eigenen Organismus aus dem Stresszustand holt.
Schmerzempfinden kann von Vitaminen, Mineralstoffen oder Hormonen beeinflusst werden:
· Vitamin D hat einen starken Einfluss auf das Schmerzempfinden weil es eine stimmungsaufhellende Wirkung hat.
· Magnesium spielt besonders in Zusammenhang mit muskulären Problemen eine Rolle: Häufige Krämpfe und Verspannungen können durch einen Mangel an Magnesium ausgelöst werden.
· Eisenmangel führt zu Abgeschlagenheit und Erschöpfung. Beides fördert die Schmerzwahrnehmung.
· Vitamin C und B sind für verschiedenste Stoffwechselvorgänge relevant und können bei einem Mangel zu Müdigkeit und Erschöpfung führen.
· Hormonelle Entgleisungen können ebenfalls das Schmerzempfinden beeinflussen. Deshalb ist auch hier eine Kontrolle notwendig.
BILDGEBENDE VERFAHREN
Welche Verfahren gibt es und für welches Leiden eignen sie sich?
· Ultraschall
Ultraschallsysteme nutzen – wie der Name sagt – hochfrequente Schallwellen (Ultraschall), um Bilder von Geweben und Organen zu erzeugen.
· Röntgenstrahlen
Die konventionelle Röntgenaufnahme, die Computertomografie(CT) und die Mammografie beruhen auf dem Einsatz von Röntgenstahlen. Bei der Angiografie wird die Röntgenstrahlung durch die Gabe von Kontrastmitteln ergänzt.
· Magnetresonanz
Magnetresonanztomografie (MRT), auch als Kernspintomografie bezeichnet, sind weitere Verfahren zur medizinischen Bildgebung. Die Magnetresonanztomografie (MRT), basiert auf dem Prinzip starker magnetischer Felder, die, soweit man heute weiß, keine irreversible biologische Wirkung im menschlichen Organismus haben.
· Nuklearmedizin
Die so genannte molekulare Bildgebung findet im Rahmen der Nuklearmedizin Verwendung. Sie bietet eine ganze Reihe an Verfahren, die es ermöglichen, biologische Vorgänge im Stoffwechsel von Körperzellen darzustellen. Dem Patienten werden hierfür kleine Mengen radioaktiver Substanzen (radioaktive Marker) verabreicht.
SELBSTBEOBACHTUNG
TAGEBUCH FÜHREN
Was beeinflusst mein Schmerzempfinden im Alltag?
Es ist wichtig, sich regelmässig selbst zu hinterfragen um herauszufinden, wie man den eigenen Lebensstil optimieren kann:
Die Schmerzen sind auf einer Skala von 1-10 einzuordnen. Nach einem Monat sind Muster zu suchen welche Schmerzspitzen und ihre Beziehung zu bestimmten Alltagsphänomenen erkennbar machen. Es gibt dafür auch kostenlose Apps.
PSYCHOLOGISCHE ASPEKTE ERKENNEN
Wie hängen Psyche und Körper zusammen?
Das Gehirn unterscheidet nicht zwischen negativen Gefühlen körperlicher oder emotionaler Natur.
Eine mit dem Schmerzsyndrom gleichzeitig vorhandene psychische Störung führt zu einem intensiveren Schmerzerleben und fördert die Chronifizierung.
Als Reaktion auf die chronischen Schmerzen können psychische Störungen aber auch erst entstehen, denn das Erleben des andauernden Schmerzes stellt nicht nur eine körperliche, sondern auch eine emotionale Belastung dar.
Was erwarte ich vom Leben?
Fixiere Deine Ziele schriftlich
• Liste die persönlichen Ziele auf, die Du bis jetzt gefunden und als Deine Lebensziele identifiziert hast.
• Welche Erfahrungen willst Du noch machen?
Prüfe, ob es wirklich Deine Ziele sind
• Welche Menschen in Deiner Umgebung wünschen sich für Dich die gleichen Ziele wie Du?
• Welche Bedeutung hat jedes Ziel für Dich, d.h. warum möchtest Du jedes Ziel erreichen?
Prüfe, ob es Ziele gibt, die sich widersprechen oder ergänzen
• Welche Ziele ergänzen sich untereinander?
• Welche Ziele stehen zueinander in Widerspruch?
• Wie könntest Du diese Widersprüche auflösen (z.B. durch Kompromisse, Setzen von Prioritäten, Zielteilung)
Prüfe, ob die Ziele herausfordernd, aber auch erreichbar sind.
• Welche Ziele sind am leichtesten zu erreichen?
• Welche Ziele sind am schwersten zu erreichen?
Plane Termine
• Setze Dir für jedes Ziel einen Termin, bis wann es erreicht werden soll.
• Falls Du bei einem Ziel Schwierigkeiten damit hast, überlege, warum es Dir schwerfällt, zähle die Gründe auf und überprüfe sie auf Stichhaltigkeit.
Ein separates Dokument um dies konkret zu erarbeiten ist online verfügbar.
KOMMUNIKATION
Wie drücke ich meinen Schmerz aus?
· Es fällt einem schwer die eigenen Unzulänglichkeiten zuzugeben, doch nur so kann eine nachhaltige Lösung gefunden werden, welche die eigene Belastbarkeit berücksichtigt. Diese Scham muss man überwinden.
· Es hilft, sich in Bildern auszudrücken: Brennen, Ziehen, Drücken, wie ein elektrischer Schlag, wie eingefroren, Stechen...
· Körpersprache spielt eine grosse Rolle: zeigen sie an, wo sie Schmerzen verspüren, untermalen sie ihre Bildsprache mit Gesten.
KONFLIKTE MEISTERN
Wie kann ich mich verteidigen?
· Man darf sich nicht dem Frieden zu liebe Schmerz aussetzen, und muss sowohl im Privat- als auch im Berufsleben die eigenen Grenzen aufzeigen.
· Sich ärztliche Bescheinigungen ausstellen lassen und sich darauf stützen.
· Es fällt einem schwer die eigenen Unzulänglichkeiten zuzugeben, doch nur so kann eine nachhaltige Lösung gefunden werden, welche die eigene Belastbarkeit berücksichtigt und damit langfristig sinnvoll ist.
· Man soll sich nicht ständig mit Stöhnen und Ächzen bemerkbar machen, sondern den Menschen klarmachen, dass man nur unter Einhaltung bestimmter Massnahmen zuverlässig belastbar ist.
Wie kann ich mit meinem Schmerz umgehen?
Chronische Schmerzen sind ein dauerndes Alarmsignal, und dieses Signal muss kanalisiert werden damit das eigene Verhalten nicht davon korrumpiert wird. Diese Liste ist nicht abschliessend:
Malen
Schreiben
Musizieren
Gestalten
usw.
Achtung: Süssigkeiten essen ist kein Kanalisieren des Schmerzes, sondern das Ergebnis eine biochemische Reaktion auf den erhöhten Stress der durch das Aushalten des Schmerzes entsteht: unser Gehirn verbraucht bei Willensanstrengungen viel Glukose und so können sich Heisshungerattacken einstellen. Kleine Aufheiterungen im Alltag sind dann und wann notwendig, dürfen aber nicht überhandnehmen, weil man andernfalls nicht nur mit den chronischen Schmerzen sondern auch mit Gewichtsproblemen zu kämpfen haben wird.
ENTSPANNUNG
Welche Formen und Hilfsmittel gibt es?
· Meditationen helfen dabei, sich zu entspannen. Man kann sich selbst in eine meditative Stimmung versetzen oder sich durch angeleitete Meditation unterstützen lassen. Auf den bekannten Videoplattformen sind viele kostenfreie Angebote dafür verfügbar.
· ASMR kann besonders wirksam chronische Schmerzen ausschalten. Trigger sind: Geräusche von Knistern, Haare bürsten, Flüstern o.ä. ASMR funktioniert nicht bei jeder Person. Wer aber in der Vergangenheit unter bestimmten Umständen ein wohliges Kribbeln ausgehend vom Hinterkopf empfindet, hat bereits unbewusst ein ASMR Erlebnis gehabt. ASMR ist noch kaum erforscht weil es sich dabei in erster Linie um ein Internetphänomen handelt. Meine persönliche Erfahrung zeigt aber, dass das wohlige Kribbeln kurzfristig Schmerzen überdecken kann.
· Als Flow Zustand bezeichnet das als beglückend erlebte Gefühl eines mentalen Zustandes völliger Vertiefung und restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit. Es lenkt ab, weil man dadurch das Ausblenden von Unerwünschtem und die Konzentration auf etwas Anderes trainiert. Einige erreichen im Flow eine echte Trance. Flow Zugänge können etwa Stricken, Autofahren, Kochen, Basteln oder auch Sport sein.
SELBSTYPNOSE
Wie kann ich mich selbst hypnotisieren?
· Beruhige dich durch eine Meditation oder ASMR
· Denke an etwas, was dir ein gutes Gefühl gibt und hole dieses Gefühl so deutlich wie möglich aus deinem Gedächtnis hervor.
· Versuche dieses Gefühl auf den ganzen Körper zu übertragen. Mögliche Trigger sind: Geschmack von Essen oder Trinken, Gefühl beim Hören eines Liedes, beim Gedanken an etwas Schönes im Generellen.
Es kann hilfreich sein, erst ein paar Sitzungen mit einem Therapeuten zu verabreden um abschätzen zu können, ob man eine stark suggestive Person ist (hier wirkt Hypnose besser) oder ob man dafür nicht sonderlich empfänglich ist.
SCHLAFMANAGEMENT
Wie gehe ich mit Ermüdung und Erschöpfung um?
Schmerzen zu ertragen kann zu starker Ermüdung führen. Die meisten Schmerzpatienten haben einen erhöhten Schlafbedarf. Gleichzeitig gibt kommt es aufgrund der Schmerzen aber häufig zu Ein- oder Durchschlafstörungen. Wer nicht ausgeschlafen ist, hat ein erhöhtes Schmerzempfinden und ist insgesamt dünnhäutiger. Es ist also sehr wichtig, dem Schlaf besondere Aufmerksamkeit zu schenken:
· Das Bett, die Matratze, die Temperatur, die Kissen und Stoffe sollten wirklich ganz nach den eigenen Wünschen und Bedürfnissen gewählt werden.
· Regelmässigkeit und Ritualisierung helfen dabei, den Geist auf den Schlaf einzustimmen: ein Becher Warme Milch vor dem Schlafen o.ä.
· Durch autogenes Training kann die Entspannung des Körpers gesteuert werden indem die Atmung bewusst gesteuert wird.
· Man muss seinen persönlichen Schlafrhythmus finden und durchsetzen, auch wenn es anfangs nicht praktikabel wirkt.
SELBSTTHERAPIE
Wie kann ich meinen Körper positiv beeinflussen?
Folgende Kniffe sind im Alltag wirksam:
· Dehnen und Strecken macht Faszien geschmeidig.
· Viele Schmerzempfindungen werden durch einen verspannten Kiefer verstärkt.
· Schmerzempfindung kann durch Kalt- oder Warmmassnahmen mit Salben oder Auflagen beeinflusst werden.
· Folgende Hilfsmittel sind für Selbstmassagen nützlich: Massagebälle, Faszien Rollen.
ALTERNATIVEN FINDEN
Welche Bewegung eignet sich für mich?
Verhindere den sozialen Rückzug:
· Es ist nicht so wichtig, mit welchem Sport man anfängt, sondern dass die Bewegung wieder Spaß macht.
· Wichtig ist, fachärztlichen Rat einzuholen und dann eine Schnittmenge mit eigenen Vorlieben zu finden.
· Anschliessend muss man sich bewusst Zeit einplanen und eine Ritualisierung einführen.
SCHMERZTHERAPIE MIT WIRKSTOFFEN
Was für Wirkstoffe gibt es?
Bei der Behandlung mit Schmerzmitteln gilt das Prinzip: so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Dafür ist es besonders wichtig, die Medikamente bei andauernder Schmerzursache fortlaufend einzusetzen. Die regelmäßige Gabe einer möglichst kleinen Schmerzmitteldosis sorgt dafür, dass es langfristig nicht mehr zu Schmerzen kommt. Denn so genannte Durchbruchs-Schmerzen wären nur mit hohen Dosen opioider Schmerzmittel wieder zu betäuben.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht ein dreistufiges Schema für die Schmerztherapie vor. Hiernach wird der Schmerz in schwach, mittelstark und stark unterteilt und jeweils unterschiedlich behandelt:
Stufe eins: Schwacher Schmerz wird mit nicht-opioiden Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure oder Paracetamol behandelt.
Stufe zwei: Mittelstarker Schmerz soll mit schwächer wirksamen Opioiden wie Tramadol oder Tilidin bekämpft werden.
Stufe drei: Leidet ein Patient unter starken Schmerzen, so wird er mit starken Opioiden wie Fentanyl, Buprenorphin oder Morphin behandelt.
Opioide werden vor allem anhand der Stärke der durch sie bewirkten Schmerzstillung unterschieden.
Aber auch Antiepileptika und Antidepressiva können dazu führen, dass das Schmerzempfinden positiv beeinflusst wird.
Ziel der Therapie mit Wirkstoffen ist es, Opioide so lange wie möglich zu vermeiden, da sie ein Suchtpotenzial birgen.
ARTEN DER ZUFÜHRUNG
Wie kann ich die Wirkstoffe nutzen?
Lokale Anwendung
Um Schmerzen lokal behandeln zu können, sind einige schmerzlindernde Wirkstoffe auch als Gel, Salben oder Augentropfen erhältlich. Der Arzneistoff entfaltet seine Wirkung auf diese Weise nur da, wo er aufgebracht wird und nicht im gesamten Organismus.
Säfte, Tropfen und Tabletten
Zum Einnehmen stehen Schmerzmittel als Tropfen, Säfte, Tabletten, Kapseln oder Dragees zur Verfügung. Ihre Wirkung tritt langsamer ein als bei gespritzten Analgetika, hält dafür aber auch länger an. Die Wirkdauer ist einerseits spezifisch für einen Arzneistoff und hängt davon ab, wie schnell dieser vom Körper abgebaut oder wieder ausgeschieden wird. Sie lässt sich andererseits aber durch eine entsprechende Verarbeitung der Tabletten, Kapseln oder Dragees verlängern. Man spricht dann von einer Retard-Tablette.
Nasensprays und Pflaster
Analgetika werden als Nasenspray meist nur ergänzend zu einer schmerzlindernden Grundbehandlung verabreicht, um akute Schmerzattacken zu bekämpfen.
Schmerzpflaster verfügen über ein Wirkstoffdepot mit einem schmerzlindernden Wirkstoff. Aus diesem Depot gelangt eine definierte Wirkstoffmenge langsam und kontinuierlich über die Haut in den Körperkreislauf. In der Regel müssen diese Pflaster nur in großen Abständen, z.B. alle drei Tage oder wöchentlich, gewechselt werden. Sie eignen sich vornehmlich für Schmerzpatienten, die eine längerfristige Schmerztherapie benötigen, und sind dann Bestandteil der Basistherapie. Vorteil der Schmerzpflaster ist es, dass sie den Magen-Darm-Trakt schonen.
Infiltration und Neuraltherapie
Werden Schmerzmittel gespritzt, können sogar sehr starke Schmerzen schnell und effektiv gelindert werden. Die Wirkdauer der gespritzten Schmerzmedikamente ist jedoch begrenzt, so dass sie bei Bedarf immer wieder nachgespritzt werden müssen.
Analgetika können auch in den Muskel oder an bestimmte Triggerpunkte gespritzt werden. Dann gelangt der Wirkstoff aus dem Muskel nach und nach ins Blut. Die Wirkung tritt dadurch langsamer ein.
SCHMERZTHERAPIE MIT STROM: TENS
Wie wirkt TENS?
· Das Heilverfahren TENS (Transkutane Elektrische Nervenstimulation) bekämpft Schmerzen mit Strom. Dabei werden elektrische Impulse mittels Hautelektroden auf Körperteile übertragen
· Die Stimulation mit hohen Frequenzen (80 bis 150 Hertz) unterbricht demnach die Signalweiterleitung ins Gehirn und damit die Schmerzwahrnehmung. Niedrige TENS-Frequenzen (zwei bis vier Hertz) sollen anders wirken: Sie setzen der Theorie nach im Gehirn chemische Substanzen frei, welche die Schmerzwahrnehmung dämpfen.
· Epilepsie, psychische Erkrankungen, Schwangerschaft, Herzschrittmacher oder ein eingepflanzter Defibrillator sprechen gegen eine TENS – und auch bei Menschen mit akuten Entzündungen von Gelenken oder Organen ist von einer TENS abzusehen.
KRAFTTRAINING
Warum soll und wie kann ich meine Muskeln aufbauen?
· Teufelskreis Schonhaltung¨
Schonhaltungen führen oft zu asymmetrischen oder unausgeglichenen Muskelbelastungen und können zu Verspannungen und weiteren Schmerzkreisläufen führen.
· Nur mit Physiotherapeut
Verspannungen drücken dauerhaft auf die Schmerz-Sensoren im Muskelgewebe. Bewegung und Dehnen der Muskeln löst diese Verhärtungen und durchbricht so den Teufelskreis aus Schmerz, Anspannung und noch mehr Schmerz.
· Keine Angst vor Muskelkater
Am Anfang kann es wehtun, steife Muskeln und Gelenke wieder zu bewegen. Es ist ein Zeichen dafür, dass die Muskeln ihre Arbeit wiederaufgenommen haben.
MASSAGE
Welche Massagen sind gut für mich?
Generell gilt, dass Massage als Krankenbehandlung in Kombination mit Bewegungstherapie eine bessere Wirksamkeit als ohne Bewegung erzielt. Es ist zudem wichtig, dass man die geeignete Massage für sich findet und sich dafür an kompetente Fachpersonen wendet, welche auch die entsprechende Ausbildung vorweisen können. Folgende Massagen versprechen in der Schmerztherapie gute Erfolge:
· Bindegewebsmassage
· Triggerpunkt Massage
· Schwedische Massage
· Fussreflexzonen Massagen
ULTRASCHALL
Welche Wirkung kann Ultraschall Therapie haben?
· Die Ultraschalltherapie ist eine Behandlung im Rahmen der Elektrotherapie. Dabei wird mit Hilfe von Schallwellen Wärme erzeugt. Die Ultraschalltherapie kann Schmerzen bei Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen lindern.
· Während der Behandlung fährt der Therapeut mit dem Schallkopf über den Körper. Die Schallwellen werden entweder kontinuierlich (Gleichschall) oder pulsweise (Impulsschall) abgegeben. Sie dringen dabei bis zu fünf Zentimeter in das Gewebe ein. Außerdem kommt es bei der Ultraschallbehandlung zu einer sogenannten Mikromassage.
· Obwohl Ultraschall sehr gut dosierbar ist, bestehen einige Risiken. Im Falle einer Überdosierung kann Gewebe absterben (Nekrose). Sollten Sie während oder nach der Ultraschalltherapie Schmerzen empfinden, geben Sie Ihrem Therapeuten bitte sofort Bescheid.
PSYCHOLOGISCHE BETREUUNG
Wie kann ich meine Gedanken und Gefühle managen?
• Weil chronische Schmerzen oft keine oberflächlich sichtbare Ursache haben, kann man – spätestens wenn es um das Thema Rente geht – des Simulierens verdächtigt werden, obwohl man effektiv Schmerzen erleidet. Das kann stark am Selbstbewusstsein rütteln und zu sozialem Rückzug führen. Um mit diesen Kränkungen umzugehen, kann ein Gespräch mit einer Fachperson sinnvoll sein.
• Es kann – besonders wenn die Ursache unsichtbar ist - im Alltag immer wieder vorkommen, dass Mitmenschen die Schmerzsymptomatik bagatellisieren (mit Sprüchen wie „Ich würde jetzt auch gerne am Nachmittag frei haben“ oder „Ich habe auch jeden Tag Schmerzen und komme damit gut klar“ etc.). Oft geschieht dies nicht mit böswilliger Absicht, dennoch löst es negative Gedanken aus, welche man nicht in sich hineinfressen sollte. Schlagfertige, der Situation angemessen Antworten können gemeinsam mit Fachpersonen erarbeitet werden damit man mehr Sicherheit im Alltag bekommt.
• Wenn man zunehmend mit einem Gefühl der Ohnmacht kämpft und nicht dazu in der Lage ist, die eigene Zukunftsperspektive anzunehmen, macht es Sinn sich an eine Fachperson zu wenden, um nicht in eine negative Gedankenspirale zu geraten.
• Auch können chronische Schmerzen ein Ventil des Körpers sein, um auf verdrängte Traumata hinzuweisen. Eine Aufarbeitung der eigenen Biographie kann dazu führen, dass die Schmerzen nachlassen.
• Konflikte im Alltag – mit Arbeitskollegen, Familienmitgliedern o.Ä. – können in Zusammenarbeit mit einer Fachperson leichter gelöst werden, weil sie als aussenstehende, neutrale Person die verschiedenen Perspektiven besser zusammenführen kann.
• Nicht zuletzt sind psychotherapeutische Angebote wie Bewegungs-, Ergo-, Mal- oder Musiktherapie wertvoll für Menschen, die sich scher damit tun, ihren Schmerz zu kanalisieren oder sich abzulenken.
• Auch die Hypnosetherapie kann hilfreich sein wenn man feststellt, dass man im Alltag entweder nicht die nötige Disziplin oder zu wenig Ideen für passende Suggestionen hat.
• Bei der Multimodalen Schmerztherapie ist psychologische Betreuung ein fixer Bestandteil.
GEMEINSCHAFT FINDEN
Wo finde ich Verständnis?
· Man kann beim Sensibilisieren des Umfeldes die Gelegenheit nutzen, um andere Betroffene im eigenen Umkreis kennen zu lernen.
· Man kann nach Selbsthilfegruppen für Krankheiten, die mit chronischen Schmerzen einhergehen, finden und um Aufnahme bitten.
· Oft wissen Apotheker oder Arztpraxen über ihr Einzugsgebiet Bescheid und können vermitteln.
· Falls es noch nichts in der Region gibt, wird es Zeit hier eine Versorgungslücke zu schliessen.
ÜBERLEGUNGEN
Welche Gedanken muss ich mir machen bevor ich mich für eine Operation entscheide?
Die neurochirurgische Schmerztherapie stellt sozusagen den letzten Ausweg für Schmerzpatienten dar, bei denen keine der oben genannten Schmerztherapieformen Besserung bringt.
Implantation eines Neurostimulators
In der neurochirurgischen Schmerztherapie steht die Überlagerung der Schmerzsignale durch einen Neurostimulator im Vordergrund. Der Stimulator selbst ist ein sehr kleines Gerät, welcher direkt an die betreffenden Nervenbahnen fixiert wird. Man erhält dazu ein Steuerungsgerät um selber die richtige Stromstärke zu bestimmen.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Implantation (meistens mit Hilfe von CT) schmerzhaft oder zumindest unangenehm ist, weil die betroffenen Nervenstränge zuerst detektiert werden müssen. Der Stimulator wird anfangs testweise während einer Woche implantiert. Wenn der Stimulator sich als ungeeignet erweist, kann er wieder entfernt werden.
Durchtrennung der Nervenbahnen
Eine Durchtrennung der Nervenbahnen wird nur in seltenen Fällen durchgeführt weil es dazu führt, dass auch die Kalt- Warmwahrnehmung entfällt, was auch gefährlich sein kann. Ausserdem ist dieser Eingriff absolut endgültig und kann nicht rückgängig gemacht werden. Wichtig ist dabei, Notwendigkeit und Risiko dem Leidensdruck gegenüber zu stellen.
Ich hoffe dieser Videokurs kann dazu beitragen, dass Betroffen einen neuen Zugang zu ihren Schmerzen finden und dass ich ihnen damit den Alltag erleichtern kann.
Die Kursteilnehmer sind eingeladen, ihre Erfahrungen mit mir zu teilen falls ein wichtiger Aspekt vom Videokurs noch nicht abgedeckt wird. Ich habe alternative Methoden wie etwa Akupunktur, Homöopathie und dergleichen bewusst ausgeklammert, da ihre Wirksamkeit zum einen wissenschaftlich nicht erwiesen ist und weil ich selber aufgrund meiner Erfahrungen mit diesen Massnahmen auch zum Schluss gekommen bin, dass sie keinen positiven Einfluss auf chronische Schmerzen haben. Ich schliesse nicht aus, dass diese Methoden wirksam sein können wenn die Einstellung dazu stimmt.
Unversuchten Massnahmen sollte man nicht mit Vorurteilen begegnen, sondern. Sie ergebnisoffen und kooperativ erproben. Auf keinen Fall sollte man aber all seine Hoffnung auf eine bestimmte Therapie setzen, denn das Risiko enttäuscht zu werden ist gross und sorgt dafür, dass man langfristig die Hoffnung verliert. Es ist also wichtig, die hier genannten Vorschläge mit einer gesunden Distanz und dennoch mit ehrlicher Bereitschaft zu begegnen.
An diesem Punkt des Videokurses bleibt mir nichts Anderes übrig, als euch für eure Aufmerksamkeit zu danken und euch viel Erfolg und Glück für die Zukunft zu wünschen. Bleibt am Ball und lasst euch vom Schmerz nicht unterkriegen!
Herzlich Willkommen zu meinem Videokurs über das Leben mit chronischen Schmerzen. Ich hoffe, du wirst hier Ideen entdecken, um dein Leben angenehmer zu gestalten.
Dieser Kurs hier dient lediglich dem Einstieg in die Thematik. Wer einen noch vertiefteren Einblick in die Entstehung und die Arten von Schmerzen, die Chronifizierung als auch weitere Möglichkeiten für das Selbstmanagement und genaue Informationen zu Medikamenten und Therapien sucht, wird in meinem vertiefenden Onlinekurs "Chronische Schmerzen: Verstehen und damit leben" fündig werden: dort werden auch Lernkontrollen durchgeführt.
Es ist mein Ziel, Menschen welche sich ihren Schmerzen ausgeliefert fühlen Werkzeuge an die Hand zu geben damit sie neuen Mut fassen und sich nicht enttäuscht von der Welt abwenden, selbst wenn ihnen manchmal nachvollziehbarerweise der Mut danach steht.
Dieser Videokurs bietet Ideen und Vorschläge zur positiven Beeinflussung des Schmerzempfindens
Ich nehme vorne weg dass ich keine medizinische Ausbildung habe und alleine aus der Fülle meiner Erfahrung schöpfe.
Ich werde es auch vermeiden, mich in Details zu verlieren, weil ich weiss dass jeder Fall seinen eigenen Ansatz benötigt und dass es deshalb in der Hand der Kursteilnehmerinnen und Teilnehmer liegt, welche Ideen und Vorschläge sie weiterverfolgen möchten.
Dieser Videokurs bietet keinen Ersatz für eine fachmedizinische Therapie, kann sie aber positiv beeinflussen. Das Manuskript zum Videokurs soll als Gedächtnisstütze dienen. Das Dokument zur Erarbeitung der Lebensziele ist ebenfalls separat verfügbar zum Ausfüllen.
Ich hoffe damit einen wertvollen Beitrag zu leisten damit andere Menschen mit ihrem Schmerz besser leben können. Für Fragen stehe ich zur Verfügung. Vielen herzlichen Dank für deine Aufmerksamkeit und viel Glück und Erfolg für die Zukunft!